silentdecay
CZ-Prag - Chapeau Rouge, 17.11.2008
Man mag es kaum glauben, aber schon ist der letzte Tag unserer kleinen Tour erreicht. Viel zu früh, wir könnten locker noch für einige Shows weitermachen. Eigentlich haben wir uns gerade erst eingegroovt. Aber es hilft ja nichts.
Also ein letztes Mal Aufbruch zum kombinierten Frühstück-Mittagessen. Diesmal sind alle bis auf Sitti am Start, der seiner Stimme lieber noch Schönheitsschlaf gönnt. Ein Haus neben Budweiser ist das Gasthaus zum Drachen und da sind wir heute Gast. Auch hier gibt es klassische tschechische Küche und wir lassen dick auffahren, während wir am Tisch rumblödeln. Inzwischen haben wir die Niveauschraube so weit nach unten gedreht, dass es eigentlich ganz gut ist, dass uns kein Mensch versteht. Tour eben.
Wieder zurück in der Wohnung verlieren wir diesmal nicht viel Zeit. Die letzte Show ist in Prag und wir wollen noch ein bisschen was von der Stadt sehen. Nach Möglichkeit mit Licht. Also alles geladen, kurze Verabschiedung von Pepido (den wir ja eh noch am Abend zu sehen glauben) und dann ab auf die Autobahn. In Prag bekommen wir direkt vor dem Club einen Parkplatz und machen uns bei frostigen Temperaturen Richtung Altstadt auf. Es ist schon etliche Jahre her, dass ich das letzte Mal hier war und ich bin gleich wieder überwältigt von der Stadt. Gerade die Altstadt hat einen unheimlichen Charme. Ein bisschen wie Wien, aber eben deutlich älter und weniger morbid. Dazu zig Cafés, Kneipen und kleine Läden. Und auch zahlreiche Touristen, zumindest sobald man sich der Karlsbrücke nähert. Wir nutzen das letzte Licht noch für ein paar Bilder und begleiten dann Sitti, der noch sein Essen nachholen will, in ein nicht ganz billiges Restaurant, das aber anscheinend recht gute Küche bietet.
Dann durch die inzwischen schon dunklen Straßen zurück zum Club. Bei Nacht wirkt die Stadt fast noch eindrucksvoller als bei Tageslicht. Ich muss hier unbedingt wieder hin, gar keine Frage.
Wie nicht anders zu erwarten, dauert es noch eine ganze Weile, bis die anderen auftauchen. Derweil diskutieren wir ein wenig mit der Barchefin, die die abenteuerliche Meinung vertritt, dass das Catering für alle Bands zusammen aus 10 Bier und einer Flasche Wasser bestehen würde. Wir kommen zu keiner Lösung und beschließen, Vera die restliche Diskussion zu überlassen. Besser mal die Zeit zum Aufbauen nutzen. Heute ist das eh etwas anstrengender, denn die Bühne ist im zweiten Untergeschoss. Dafür ist der Raum sehr kultig, die Anlage OK und es gibt sogar einen Backstageraum (was uns völlig überrascht - ich wusste gar nicht mehr, dass es sowas überhaupt bei Konzerten gibt ;-).
Schließlich treffen die anderen ein, allerdings mit eher schlechten Nachrichten. Die erste ist, dass Anime Torment ausfallen müssen, da deren Drummer zu einem Einsatz abberufen wurde. Es ist Polizist und genau an diesem Abend haben ein paar hundert Neonazis beschlossen, sich größere Ausschreitungen mit der Polizei zu liefern. Na bravo. Aber das ist nicht alles. Vera meint ziemlich zerknirscht, dass wohl auch keine Leute kommen werden. Sie hat erst vor kurzem erfahren, dass heute nicht nur Slayer und Trivium in der Stadt spielen, sondern 200 m vom Club entfernt auch noch Monster Magnet. Obendrein findet auch noch ein großes Hardcore-Festival statt. Sie konnte darauf nicht mehr reagieren und somit würde das Heute wohl ein Auftritt vor leerem Haus werden. Wenn wir wollten, könnten wir die Show absagen und einfach heimfahren, die Gage würden wir trotzdem bekommen. Beautiful Cafillery hätten sich schon dazu entschlossen, nicht aufzutreten. Bitte? Was ist denn das für eine Einstellung? Nicht spielen? Was für ein Blödsinn!
Beautiful Cafillery bleiben bei ihrem Entschluss und so beschließen wir eben, alleine aufzutreten. Das bedeutet natürlich auch, dass wir unsere komplette Backline brauchen - ausgerechnet heute, wo es 2 Stockwerke nach unten geht. Scheiß drauf, ausgeladen, aufgebaut, Soundcheck und ab dafür!
Nach dem Soundcheck geht es oben in eine vergleichsweise noble Pizzeria zum Essen und dann machen wir uns dran, den verdammten Laden zu rocken. Wenn es sein muss, dann eben nur vor den anderen Musikern (die trotzdem da geblieben sind) und dem üblichen Tross im Anhang. Kein Grund, nicht ordentlich Gas zu geben und das zahlt sich dann eben doch auch wieder mal aus. Zwar ist es nicht viel Publikum, dass wir in den Keller locken, aber 10 Leute ziehen wir dann eben doch noch zusätzlich mit rein und da alle vor und auf der Bühne ihren Spaß haben, rockt das alles dann doch noch so richtig. Beautiful Cafillery sieht man an, dass ihre Entscheidung im Nachhinein vielleicht doch nicht so richtig schlau war. 20 Leute, die Bock haben, können eben ein besseres Publikum sein als 80 gelangweilte.
Jedenfalls feiern wir die letzte Show gebühren ab und lassen es nochmal so richtig krachen. Und auch heute könnten wir noch einige Zugaben dran hängen. Von wegen Absagen ...
Einen Vorteil hat das ganze allerdings. Da wir alleine auf der Bühne stehen, sind wir recht früh fertig. Das ist gerade heute nicht verkehrt, denn wir fahren nachts noch zurück nach München. Nils muss morgen wieder arbeiten, weswegen das nicht anders machbar ist.
Also belassen wir es bei einer recht kurzen Nachfeier, verabschieden uns von allen und machen uns widerwillig auf den Weg nach Hause. Da Nils sich pennen legt und Flo, Christoph und Sitti das Fahrerteam bilden, bleibt es dann auch an Basti und mir, die Partyfahne hoch zu halten und uns der restlichen Gin-Vorräte anzunehmen.

Fazit: Es waren großartige Tage! Wir hatten irre viel Spaß, keinen Streit, großartige Auftritt, viel gesehen, tolle Leute kennen gelernt und sind letztlich mit der neuen Besetzung auch wieder ein Stück zusammengerückt (auch wenn Andelz nicht dabei sein konnte). Jederzeit wieder!
Vielen Dank an Vera, Pepido, Christoph, Basti und all die anderen, die diese Tage ermöglicht haben und zu was ganz besonderem haben werden lassen! ROCK ON!
Stefan

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CZ-Rakovnik - Astacus, 16.11.2008
Heute sind wir schlauer und gehen nach dem Aufstehen in eine vernünftige Wirtschaft, nämlich den Budweiser-Pub um die Ecke. Groß, aber trotzdem gemütlich und mit einer sehr umfangreichen Karte. Wir entscheiden uns für Wildschwein in verschiedenen Variationen (die alle eine sehr gute Wahl sind), fachsimpeln über Musik, Tschechien an und für sich und die Tour und lassen es uns generell gut gehen. Wir beschließen das ganze dann mit einem klassischen Schichtwechsel, denn als wir aufstehen und zurück zur Wohnung gehen, kommen Sitti und Basti gerade rein.
Zurück in der Wohnung halten Nils und Christoph einen Gitarrenworkshop ab und zeigen sich gegenseitig Parts und Techniken. Flo beschäftigt sich mit dem RockHard, ich schreibe Diaries und schließlich legen wir dann doch wieder eine DVD ein. Denn auch heute zieht sich die Abfahrt wieder kräftig hin. Diesmal steuern wir auch noch gut zur Verzögerung bei, denn Nils vergisst seine Klampfe bei Pepido, wie wir auf halber Strecke feststellen. Also Ausscheren aus dem Konvoi, zurückfahren und dann selber den Club finden. Mit Navi ist das ja kein allzu großes Problem und bei den dunklen und teils nebligen Straßen bekommt das durchaus manchmal Rallye-Feeling. Wir haben ein ziemlich genaues Navi dabei (eigentlich zum Wandern) und Basti lotst Flo mit Ansagen wie "enge Rechtskurve in 70 Metern".
Aber auch an diesem Abend verpassen wir in der Zwischenzeit wenig, denn der Ablauf ist ähnlich gemächlich wie am Vorabend. Dafür ist die Umgebung spannender. Das Astacus ist die Bar des gleichnamigen Biker Clubs und kann schon mal einiges. Gut gefüllt mit Bikern und etlichen mehr als sehenswerten Frauen, ein Grill draußen vor der Tür, Graffiti an den Wänden und ein Haufen Sofas um einen großer Kamin – hier kann man es aushalten.
Unser Zeug ist schnell verstaut und so können wir uns mit den anwesenden und mitgefahrenen die Zeit bis zum Auftritt vertreiben. Im Hintergrund laufen auf ein paar Monitoren konstant Aufnahmen von dem großen Bikerfest, das der Motorradclub hier jedes Jahr veranstaltet. Das sieht nicht nur richtig geil aus, da spielen auch Bands. Da trifft es sich doch mal ziemlich gut, dass neben unter anderem die Schwiegertöchter des Chefs bei uns am Tisch sitzen und wir das Thema gleich mal auf die Tagesordnung setzen können. Aus dem ersten Interesse werden dann nach unserem Auftritt auch gleich konkrete Pläne.
Das Catering besteht heute aus Pizza (eigentlich völlig blöde, denn draußen steht ja ein Grill, aber irgend jemand ruft beim Bringdienst an) weswegen uns der Clubcheffe später auch fragt, ob wir Italiener seien. Sind wir nicht, glaube ich.
Auch heute spielen wir auf Position 3 von 4 und auch heute ist das völlig richtig so, denn einmal mehr erweist sich das als die wahre Headlinerposition. Die Bühne ist mal wieder winzig und in der Ecke (generell scheiße), dazu bringt die Anlage nur wenig Bässe her. Basti verdonnert mich also wieder dazu, den Raum mit dem Amp zu beschallen, was nicht nur für mich unangenehm ist, sondern für die ganze Band, denn der Bühnensound besteht somit eigentlich nur aus Bass. Ich stehe direkt davor, komme dem also auch nicht aus und fühle mich trotz Gehörschutz wie in einer Flugzeugturbine. Aber da muss man durch und unten klappt ja auch alles. Im Astacus scheinen Beifallsbekundungen vor allem über Pfeifen zum Ausdruck gebracht zu werden. Und zwar so intensiv, dass Basti ein paar mal checkt, ob da Rückkopplungen auf der Anlage sind. Sehr schräg, andere Länder andere Sitten. Wenigstens sind es Beifallsbekundungen und nicht Buhrufe, wovon uns die Leute aber auch schnell überzeugen. Ein weiterer sehr geiler Auftritt, an den wir wohl einige Zugabenblöcke anhängen könnten, wenn wir wollten. Aber erstens spielen wir nicht in unserer regulären Besetzung, was die Songauswahl schwierig macht, und zweitens kommen nach uns noch Anime Torment und so belassen wir es bei unserem regulären Set. Wobei uns allerdings durch die Nachfragen schon die Überlegung kommt, fürs nächste Mal ein paar Sepultura-Songs mit aufzunehmen, denn die werden allabendlich wiederholt gefordert.
Während wir also ziemlich flott unser Zeug abbauen und gleichzeitig den Merchstand betreuen (an allen drei Tagen sind wir die einzigen, die überhaupt was zum Verkaufen dabei haben), lassen sich Anime Torment wieder gut Zeit, bis sie soweit sind. Was sich dann auch in der deutlich reduzierten Zuschauerzahl widerspiegelt, denn die meisten scheinen inzwischen die Bar im Nebenraum interessanter zu finden. Wir geben uns noch ein paar Songs und ziehen uns dann ebenfalls zum Ausdampfen in den Club zurück, mit einigen Leute im Gefolge, die noch mit uns Feiern wollen. Die müssen wir dann aber irgendwann doch enttäuschen, denn ein bisschen Schlaf bei Nacht muss eben doch sein. Wir sehen uns dann hoffentlich eh nächstes Jahr bei eurem Bikerfest!
Also wieder auf die Straße, auf Rallyemodus umgeschaltet und zurück nach Litomerice. Man kann ja auch auf der Fahrt noch weiter trinken.
Stefan

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CZ-Doksy - Termit, 15.11.2008
Gegen Mittag ist die erste Hälfte von uns gewaschen und gebügelt und bereit, die Stadt unsicher zu machen, während das Extreme Party Team Sittenauer und Wedel noch die Matratzen bewacht.
Das Wetter ist freundlich, die Litomerice als Stadt eigentlich ganz nett und wir finden schnell einen Geldautomaten und können uns auf die Suche nach einem Happen zu Essen machen. Da unser tschechisch immer noch nicht besser ist, entscheiden wir uns für eine Pizzeria, denn Pizza kann man schließlich in jeder Sprache ordern. Natürlich ein total blöder Fehler, denn während die anderen beiden später völlig geil einheimisch essen, bekommen wir richtig beschissene Nudeln mit grässlicher Sauce. Eigentlich hätten wir die Lektion nach unseren letzten Besuchen schon gelernt haben sollen, aber manchmal dauert es eben etwas länger, sich zu akklimatisieren. Wobei Tschechien an und für sich schon deutlich vertrauter wirkt als bei unserer ersten Tour. Die meisten Leute hier sind extrem nett, hilfreich und insgesamt einfach ziemlich angenehm. Wenn da nur nicht die Sprache wäre, aber das Problem werden wir demnächst auch noch angehen.
Satt aber nicht befriedigt geht es zurück in die Wohnung, wo wir unsere Miniamps rausziehen und mit dem Songwriting weiter machen. Trotz leichter Katerstimmung wird es doch überraschend produktiv und wir kommen bei 2 Songs ein gutes Stück weiter.
Der restliche Nachmittag besteht dann aus DVD schauen über Pepidos großzügig dimensionierten Fernseher, denn wir müssen noch auf die anderen Bands warten, die uns abholen sollen. Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, lassen die sich kräftig Zeit. Bis der Konvoi mal aufbricht, ist es nach 19 Uhr. Über Landstraßen und Feldwege geht es zu einem Sportheim im absoluten Nirgendwo. Aber auch hier geht alles seinen behäbigen Weg. Es sind zwar schon ein paar Leute da, aber noch keine PA. Die kommt dann gegen 9 und bis die erste von 4 Bands dann schließlich mal auf die Bretter geht, ist es 22:30 Uhr. Der Kommentar von unserer Bookerin Vera dazu: "I know that you are very organized in Germany, but Czech people are very lazy." Es war jedenfalls eine verdammt gute Idee, die Reihenfolge zu ändern. Eigentlich sind wir auf der Tour der Headliner, aber wir haben mit Vera vereinbart, dass wir bei 4 Bands als dritte spielen wollen. Das ist dann zwar immer noch sauspät, aber wenigstens noch halbwegs im Rahmen (im Klartext auch heute wieder 0:30 Uhr).
Also mal wieder viel Zeit zum Warten und Bier trinken (was aber zumindest vom fetttriefenden Catering mit Cordon Bleu und Pommes etwas aufgefangen wird), wir müssen uns also einmal mehr ordentlich einbremsen. Das tschechische Bier (und vor allem das hier vorherrschende Gambrinus) läuft schon verdammt gut die Kehlen runter.
Von den Leuten her geht heute leider nicht ganz so viel wie gestern, der Club (oder besser: die Wirtschaft im Sportheim, die in etwa den Flair einer Bahnhofswartehalle vermittelt) ist einfach zu abgelegen. Dazu kommt noch, dass von den Anwesenden schon am Vortag einige schon da waren und die verausgaben sich heute nicht mehr so intensiv wie gestern. Aber dafür gibt es eine relativ große Bühne, auf der man sich auch ein wenig bewegen kann, was wir auch gleich für massives Posing nutzen. Christoph und Nils ist die neue Konstellation nicht anzumerken, die Abläufe sitzen alle. Die Show geht insgesamt (trotz des inzwischen schon wieder erreichten Pegels) ziemlich locker von der Hand und macht auch nicht weniger Spaß als am Vortag. Spielerisch sind wir sogar einen Tacken besser als im Dynamo und auch Sittis Stimme ist der Vorabend nicht anzumerken. Und auch hier wird das von den Anwesenden entsprechend honoriert. Auch ohne Wahnsinn vor der Bühne bleiben die Tschechen ein ausgesprochen dankbares Publikum. Das schlägt sich auch in den Verkäufen wieder. Wir haben die Preise den hiesigen Verhältnissen angepasst (und zahlen somit auch teilweise kräftig drauf), aber das muss man einfach als Promotion ansehen.
Während danach dann Anime Torment versuchen, den Leuten noch mal nach ordentlich in den Arsch zu treten, dampfen wir uns langsam aus und fangen schon mal an, den Bus zu laden. Inzwischen ist es 3 und viel mit Party geht da eh nicht mehr. Also machen wir uns an die Heimreise und fallen dann auch ziemlich schnell ins Koma.
Stefan

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CZ-Litomerice - Dynamo Club, 14.11.2008
Eigentlich beschreibt der erste Satz auf der Bühne nach dem Auftritt schon alles, was man zu diesem Abend sagen muss: "Warum spielen wir eigentlich noch Auftritte in Deutschland?"
Aber der Reihe nach. Die letzten Wochen waren wir mit Songwriting und allem möglichen nervigen organisatorischem Kram gut ausgelastet, da kommt eine Tour gerade recht um mal wieder den Spaß an der Sache zu finden. Vor allem, wenn die Tour nach Tschechien geht, wo der Spaßfaktor erfahrungsgemäß ziemlich hoch ist.
Das Team sieht diesmal etwas anders aus als sonst. Einerseits begleitet uns Basti als Soundchef, was bei den teilweise doch etwas abenteuerlichen Gegebenheiten im Nachbarland schon mal eine irre Hilfe ist. Andererseits müssen wir auf Andelz verzichten, der einen neuen Job angefangen hat und den verständlicherweise nicht mit einem Urlaub beginnen kann. Dafür hat sich unser Ex-Klampfer Christoph spontan bereit erklärt, wieder die Axt für uns zu schwingen. Da er mit dem Set bis vor ein paar Wochen selber noch auf der Bühne stand, ist das auch kein großes Problem. Und so haben wir mit Christoph und Nils Vorgänger und Nachfolger gleichzeitig auf der Bühne, auch mal was neues.
Bei der Anfahrt zeigt sich gleich wieder, dass ein Navi völlig unverzichtbar ist. Bei manchen Straßen denken wir uns, dass wir einfach falsch sein müssen, aber nein, stimmt schon alles. Vom Zurechtfinden in den Städten wollen wir erst gar nicht sprechen. Aber trotz absurder Straßen (und massiver Nebelwände) sind wir überpünktlich am Club. Wir können immer erst ab 19:00 Uhr in die Clubs, da das Personal für die Zeit davor extra gezahlt werden müsste und das ist nicht drin. Ist aber alles nicht so wild, weil hier sowieso jeder die Ruhe weg hat. Konzertbeginn und Umbauzeiten sind eher theoretische Werte, es passiert eben wenn alle soweit sind und das stört auch absolut niemanden. Für uns ist das immer wieder sehr ungewohnt (und teilweise auch ziemlich anstrengend), da wir einfach straffe Ablaufzeiten gewohnt sind und uns deswegen auch extrem effektive Abläufe angewöhnt haben. Aber man muss sich eben nach den Gegebenheiten richten.
Bis der Club öffnet, gehen wir in den Pub gegenüber (in dem auch schon Sepultura und Fear Factory laufen, obwohl das Publikum eher aus Normalsterblichen besteht). Die erste Runde Bier schmeckt auch gleich völlig richtig, das Niveau wird schon mal in weiser Voraussicht auf die nächsten Tage ein Stockwerk nach unten getragen und so fällt das Warten nicht weiter schwer.
Das Dynamo (das offizielle tschechische Gegenstück zum legendären Club in Eindhoven) ist immer noch genauso assig und gleichzeitig kultig wie beim letzten Mal. Irgendwie klären wir die Equipment-Fragen mit den anderen Bands (mit dem Ergebnis, dass es eigentlich viel zu viel Backline für den kleinen Club zu verstauen gibt, da alle anderen über ihre eigenen Sachen spielen wollen – was wir uns dann doch eher kneifen und somit mal keine Boxen zu tragen haben), geben uns ein paar Songs der beiden Vorbands (die mit einigen technischen Problemen zu kämpfen haben, was die Auftrittszeiten noch mal kräftig nach hinten schiebt) und versuchen, uns die Zeit bis zum Auftritt mit nicht zu viel Bier zu vertreiben und betreiben ein bisschen Socialising mit den Anwesenden (sofern das sprachlich möglich ist). Catering gibt es wie schon beim letzten Mal im Fast Food Laden neben dem Club. Diesmal steht allerdings Reisfleisch statt Fettattacke auf dem Programm, was eigentlich sehr angenehm ist.
Letztlich sind es dann über 1 1/2 Stunden Verspätung, bis wir auf die Bretter gehen. Aber das schadet gar nicht, denn trotz vorgerückter Stunde sind die Leute von Anfang an völlig heiß. Vorne zaubert Basti einmal mehr auch aus dieser Behelfsanlage einen Wahnsinnssound, der Bühnensound besteht allerdings nur aus Dröhnen und Wummern. Dazu ist es saueng und verraucht, aber das alles ist völlig egal, denn das Publikum feiert uns vom ersten Ton an so dermaßen ab, dass alle Adrenalinregler auf Anhieb auf 10 stehen. Absoluter Wahnsinn! Wir haben schon 2x in Litomerice gespielt und so haben wir einige (beinahe) textsichere Leute vor der Bühne, die den Rest noch mehr pushen. Der komplette Set vergeht wie im Flug und auch wenn wir zum Schluss alle völlig fertig sind, will eigentlich keiner von der Bühne. Was für ein Auftakt, so lass ich mir das eingehen!
Während Beautiful Cafillery nach uns den kompletten Equipment-Overkill auf die Bühne stellt (der Bassist stellt die linke Wand mit 2 Anlagen und 4 Boxen zu, der Gitarrist rüstet mit 2 Halfstacks dagegen und der Drummer sitzt irgendwo hinter einer riesigen Burg aus Toms und Becken), laden wir schon mal ein und kümmern uns noch um Fans, Bier und den obligatorischen Gin-Tonic. Inzwischen ist es 2:30 Uhr, aber hier will uns noch niemand gehen lassen. Also kommen wir unserer Pflicht nach, bis wir dann gegen 4 in die Wohnung des Bassisten von Anime Torment torkeln, der uns freundlicherweise für die paar Tage Quartier bietet. Gemütlich kuscheln wir uns zu sechst auf 3 Matratzen, lallen noch irgendwelchen Blödsinn vor uns hin bis endlich alle auf- und sich ins Morpheus Arme begeben. Der erste Abend ist also schon mal sehr gelungen.
Stefan

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Oberwiesenacker - Hells Kitchen Festival, 23.8.2008
So, ein neues Kapitel beginnt und Nils darf seinen Einstieg nicht auf irgendeiner kleinen Jugendheimbühne geben, sondern auf dem Hells Kitchen Festival direkt vor Rage und Volbeat. Das ist doch mal was. Von dem her ist es verständlich, dass vor dem Auftritt eine gewisse Nervosität spürbar ist. Da hilft nur professionelle Vorbereitung und die wird einem hier recht leicht gemacht. 3 Drumriser und mehrere Rollwägen stehen zur Verfügung, so dass wir bereits vor dem Auftritt Schlagzeug und Amps komplett aufbauen können und nachher nur noch auf die Bühne schieben müssen. Sehr angenehm, so was hätte ich gerne immer.
Auch ansonsten ist das hier alles sehr gut organisiert. Wir haben unseren eigenen Backstagebereich, ausreichend Getränke und Essensmarken und auch immer einen Ansprechpartner für alle möglichen Fragen und Probleme, die so auftreten können.
Bleibt also zwischen Aufbau, Essen und Warmspielen immer noch genug Zeit, um sich den Auftritt von Grantig anzuschauen, die sich trotz ihrer Opener-Position recht wacker schlagen.
Während Decon die Halle rocken, geht es an die letzten Vorbeireitungen, nochmal kurz alles checken und dann kommt die Stunde der Wahrheit. Zwar gibt es ein paar kleine Pannen (mein Bass fällt gleich mal zu Anfang der Show aus) und der Bühnensound ist aufgrund des sehr kurz gehaltenen Line-Checks auch nicht unbedingt optimal, aber im Großen und Ganzen spielen wir doch eine sehr ordentliche Show und Nils schlägt sich ausgesprochen gut bei seinem Debüt. Dass er noch nie zuvor mit einer Klampfe in der Hand auf der Bühne gestanden ist, merkt man ihm nicht an. Feuerprobe bestanden, würde ich sagen.
Auch dem Publikum scheint unser Auftritt zu gefallen, auch wenn man natürlich merkt, dass die Leute in erster Linie wegen der beiden Bands nach uns da sind. Aber dafür können wir einen stattlichen Applaus und auch einige Zugaben-Rufe einfahren. So soll es sein!
Also gibt es eine berechtigte Party, während Rage und Volbeat die Menge zum Schwitzen bringen. Ich schaffe es allerdings trotz fahrbedingter Nüchternheit beim Einladen trotzdem, 2x mit nassen Schuhen aus dem schräg am Hang stehenden Bus zu rutschen, entgehe aber immerhin trotz fallendem Equipments irgendwie doch noch so diversen gebrochenen Knochen. Als Musiker (oder eher Roadie) lebt es sich halt gefährlich ;-)
Stefan

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CZ-Litomerice - Nordwind Festival, 2.8.2008
Konzerte in Tschechien gehören inzwischen zu den absoluten Highlights für uns. Im Gegensatz zu Deutschland haben die Leute hier nicht nur richtig Bock auf Livemusik, sondern sind vor allem auch sehr offen für alles. Alberne Ablehnungshaltungen der Marke "Ah, Stilrichtung X – kann ja nur Scheiße sein" und sonstigen Schubladenblödsinn haben wir hier bislang noch nicht angetroffen. Die Leute wollen Spaß haben und abgehen und genau das tun sie auch. Das zeigt sich auch hier am Nordwind Festival in Litomerice einmal mehr. Egal ob im Zelt gerade eine Band einen Coverset spielt, ob nebenan eine Punkband schraddelt oder später im Zelt Metalcore von der Bühne dröhnt – das alles wird angenommen und die Leute haben einfach Spaß an der Sache. Auch ein Technoclub in einer Halle neben den beiden Bühnen stört da nicht, sondern fügt sich hervorragend ins Bild. Hier geht es eben darum, eine gute Zeit zu haben und nicht darum, irgendwelche Grabenkämpfe auszutragen.
Auch ansonsten ist das hier ein sehr angenehmes Festival. 2 Bühnen, ein paar Freßstände, zwischendrin noch ein paar Darbietungen wie Mountainbiker, die Sprünge über Freiwillige aus dem Publikum machen und so weiter. Für die beiden Polizisten, die das Gelände patrouillieren, gibt es nichts zu tun. Dass die Anwesenden ihren Streifenwagen, der vor dem Klohäuschen parkt, in erster Linie als Ablageplatz für ihre Getränke nutzen, während sie ihr Geschäft verrichten, stört die beiden dann auch nicht weiter.
Für uns ist es aber noch aus einem weiteren Grund eine besondere Show denn heute steht Christoph das letzte Mal mit uns auf der Bühne. Davon ist aber erstmal nichts zu spüren. Alles läuft in seinen gewohnten routinierten Bahnen. Nachdem wir uns auf dem Gelände orientiert haben, bereiten wir uns auch schon langsam auf unseren Auftritt vor. Wir spielen im Zelt und da hier der Backstagebereich hinter der Bühne nur durch Absperrgitter getrennt ist, findet das Warmspielen quasi in der Öffentlichkeit statt. Da die Band vor uns hauptsächlich Cover von Sepultura und Soulfly spielt, steigen wir also einfach und spielen das hinter der Bühne mit, woran dann wiederum sowohl die Band auf der Bühne wie auch die Leute vor der Bühne ihren Spaß haben und groovt rundherum alles auf Roots & Co. Das hat auch mal was.
Dann ein kurzer Umbau, Basti muss etwas mit dem Digitalpult kämpfen und auf geht es zur letzten Runde in dieser Besetzung. Die Leute machen uns die Sache ziemlich einfach und so wird sehr schnell eine ordentliche Party aus dem Auftritt, auch wenn es gerade mal 17:00 Uhr ist. Nur wenige kennen uns, kaum einer spricht Englisch, aber das hindert die Meute nicht vor Mitsingversuchen. Und ansonten wird einfach ordentlich gebangt und gepogt und wir müssen fast nach jedem Song die Mannen in der ersten Reihe abklatschen. So vergeht der Auftritt wie im Flug und bevor man sich richtig versehen hat, ist das alles auch schon wieder vorbei.
Bleibt also eine zünftige Abschlussfeier. Und die geben wir uns auch, das Festival bietet schließlich genügend Gelegenheit dazu. Basti stellt wieder mal seine Fähigkeiten als Gin-Finder unter Beweis und als der leer ist (also nach sehr kurzer Zeit), stellen Weißwein, Pfefferminzschnaps, Bowle (verkauft von einer holden Blonden, an der vor allem unser Neuzugang Nils Gefallen findet) und natürlich das das tschechische Bier genug Alternativen dar, die wir alle ausgiebig nutzen.
Als schließlich unsere alten Bekannten von War From A Harlots Mouth die Bretter besteigen, sind wir schon demzufolge auch ordentlich in Stimmung. Aber auch in dem Zustand kapiere ich ihre Songs nicht. Sei's drum.
Auch der schönste Abend hat sein Ende und wir brechen zu der Musikerwohnung auf, in der wir nächtigen. Außer uns beihaltet die für diese Nacht noch 3 Tschechen, die allerdings nicht von ihrem Rennspiel am Computer wegzubringen sind. Auch als wir uns am nächsten Morgen aus den Schlafsäcken schälen, sitzen sie noch vor dem Monitor und daddeln.
Dann geht es wieder Richtung Heimat. Bis zum nächsten Mal (im Herbst), allerdings nicht mehr in dieser Besetzung.
Darum an dieser Stelle noch mal ein Dankeschön und eine dicke Umarmung an Christoph. War eine sehr geile Zeit mit dir und (auch wenn das kitschig klingen mag) du wirst immer Teil dieser Band sein!
Stefan

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Urbach - Zabbaduschder Open Air, 26.7.2008 (Summersmash Tour)
6:30 Uhr, der Wecker klingelt. Es ist kein Spaß, aber wir müssen auf die Straße. Heute Nachmittag steht der letzte Auftritt der Woche an, am Zabbaduscher Open Air und das ist gute 600 km entfernt in Baden-Württemberg. Also kurz die tote Ratte aus dem Rachen vertrieben und ab in den Bus. Bleifuß nach Süden, aber wenigstens ist der Verkehrsgott uns einigermaßen gnädig und wir kommen überpünktlich am Festivalgelände an.
Erst mal den Rücken entknoten und den Magen füllen, während das Publikum in praller Sonne abmosht. Aber nicht lange, denn das bereits angekündigte Unwetter verschont auch das Zabbaduschder nicht. Zwar bleibt es bei Regen, aber der kommt eine gute halbe Stunde lang richtig heftig und vertreibt doch einige in die Essenszelte. Ein paar Unentwegte lassen sich aber auch davon nicht abhalten und feiern weiter die Band ab, die das Regen-Los gezogen hat. Teilweise komplett nackt, aber so bleiben schon mal die Klamotten trocken.
Bis wir dran sind, ist es von oben wieder trocken, aber der Boden (auch auf der Bühne) ist schön matschig. Viel Show geht da heute nicht, wir schlittern bei den ersten Tönen schon ziemlich rum. Auch sonst wird es nicht einfach. Die Fahrt steckt uns in den Knochen, der Bühnensound ist eine ziemliche Herausforderung und das Publikum doch ziemlich auf traditionellen Sound eingestellt. Also ist Kampf angesagt, aber dem stellen wir uns. Und bekommen trotz nicht ganz optimaler Bedingungen immerhin Achtungsapplaus vom Publikum. Und bei unserer Autogrammstunde, die wir später lustigerweise abhalten dürfen, haben wir sogar tatsächlich Leute am Stand. Kann also so schlecht dann doch nicht gewesen sein.
Übermäßig lang geht es heute nicht mehr, irgendwann zieht es einen eben doch wieder zurück zu Haus und Weib und dieser Zeitpunkt ist jetzt erreicht.

Damit ist die Woche dann auch schon wieder vorbei. Einiges ist nicht so gelaufen, wie wir es geplant hatten, aber trotzdem hatten wir eine ziemlich gute Zeit. Egal wie die Bedingungen sein mögen, auf einer Bühne fühlen wir uns eben jederzeit wohler als im Büro ...
Stefan

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Brandenburg - Haus der Offiziere, 25.7.2008 (Summersmash Tour)
Von Magdeburg nach Brandenburg ist es nur ein Katzensprung, wir haben also Zeit, uns die Stadt anzuschauen, einen Eiscafé zu trinken und danach zu einem See zu fahren um uns in die Sonne zu legen. Easy going.
In Brandenburg wird die Sache dann wieder völlig zwiespältig. Einerseits freuen wir uns richtig auf die Show, denn das HdO ist ein richtig geiler Club, in dem wir bereits 2005 einen ziemlich coolen Auftritt hatten. Außerdem ist Rathenow nicht weit weg und auch da hatten wir gute Shows. Aber andererseits scheint die Woche genauso aufzuhören, wie sie begonnen hat, denn wie wir feststellen müssen, haben beide Suppportbands die Show aus Krankheitsgründen gecancelt. Eigentlich ist es nicht zu glauben, aber es ist so. Irgendwie ist das alles zu bizarr, aber drauf geschissen, spielen wir eben alleine!
Wir machen also in aller Ruhe Soundcheck, vertilgen das Catering und setzen uns raus in den Garten bis die Mücken uns nach drinnen vertreiben.
Die ersten paar Leute, die kommen, sind ein Grund zum Feiern, wenigstens spielen wir nicht vor leerer Hütte. Müssen wir in der Tat nicht, denn – sieh mal einer an – es kommen tatsächlich einige Leute, die sich nicht von ausgefallenen Vorbands abhalten lassen, weil sie nach eigenem Bekunden eh wegen uns da sind. Das ist natürlich eine Freude und macht uns auch ein wenig Stolz und so legen wir noch ein paar Scheite drauf und lassen es so richtig krachen. Zwar treffen Sittis Animationsversuche nicht unbedingt jederfraus Geschmack (ich sag nur mal "Halt's Maul und sing!"), musikalisch liegen wir aber mit dem Publikum auf einer Linie und so wird das eine richtig feine Show, bei der wir den Zugabenblock noch erweitern müssen. Sehr geil.
Danach gibt es draußen noch gemütliches Beisammensein mit einigen Leuten, die wir schon von vorigen Auftritten kennen, bis wir zu einem der HdO-Mitarbeiter aufbrechen, der uns für heute Quartier gibt. Die restliche Nacht wird eh kurz genug, denn morgen haben wir eine Stressfahrt vor uns.
Stefan

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Magdeburg - Blow Up!, 24.7.2008 (Merauder Tour Support / Summersmash Tour)
Heute haben wir erst mal keinen Stress, da es von Darmstadt nach Magdeburg nicht besonders weit ist. Wir können also in aller Ruhe Frühstücken, uns nachher draussen im Hof in die Sonne setzen und Perlen der Vorabendserien des Bayerischen Rundfunks diskutieren. Wobei im Prinzip eigentlich eh Einigkeit besteht. Irgendwie und Sowieso gehört zu dem Besten, was jemals im Fernsehen gelaufen ist! Punkt!
Bei der Ankunft in Magdeburg sind wir erst mal ziemlich überrascht. Wir haben ja schon wirklich fiese Ecken von Ostdeutschland gesehen, aber hier strahlt uns ein ziemliches Schmuckstück entgegen. Das Blow Up! liegt im Weggehviertel der Stadt und hier wurde richtig Geld in die Altbauhäuser investiert. Wir sind beeindruckt.
Da wir vor Merauder da sind, beanspruchen wir einfach mal dreist den freien Parkplatz direkt vor dem Club, laden unser Zeug rein und verziehen uns in ein Straßencafé in die Sonne. Das Wetter ist eh ein Traum und das Colbitzer Schwarzbier kann auch einiges.
Dann müssen wir aber doch ein wenig Arbeiten, denn Merauder, die inzwischen eingetroffen sind, wollen keinen Soundcheck machen und überlassen das uns. Also arrangieren wir und irgendwie auf der winzigen Bühne und fahren den Soundcheck. Natürlich wird auch noch genau zu der Zeit das Catering fertig und während wir versuchen, das Magenknurren zu überdröhnen, laden sich die New Yorker schon mal im Backstageraum (schön direkt im Blickfeld von der Bühne) die Teller voll. Aber es ist genug da und es werden letztlich alle satt.
Mit vollem Magen kann man dem Abend schon gelassener entgegen blicken, auch wenn uns die Aussage eines der Clubmitarbeiter, dass hier ja unter der Woche generell nicht so viel gehen würde und man die Show auch nur kurzfristig reingenommen hätte (und dementsprechend wenig Werbung gelaufen wäre) schon mal wieder eine böse Vorahnung beschert. Die bleibt dann aber doch einigermaßen unbegründet. Zwar ist der Club nicht gerade brechend voll, aber ein paar Leute verirren sich doch nach drinnen. Die Stimmung bei uns ist nicht gerade ausgelassen, aber heute laufen die Leute wenigstens nicht davon. Hardcore-Publikum ist einfach nicht so ganz unseres, aber immerhin gibt es höflichen Applaus.
Auch Merauder kommen heute deutlich besser an als gestern und vor der Bühne bildet sich auch ein kleiner Pit. Damit ist wohl alles aus dem Abend rausgeholt, was drin war.
Da es auch nachts noch relativ warm ist, verbringen wir noch einige Zeit draussen mit ein paar Bieren bevor wir uns in die Musikerwohnung über dem Club zurückziehen. Die teilen wir heute mit Merauder und Sänger George läuft zur absoluten Höchstform auf. Er hat uns ja schon die beiden Tage über mit reichlich Geschichten aus der Bronx versorgt, aber jetzt gibt es kein Halten mehr. Er rennt durch die Küche, spielt Gangster-Szenen nach, reisst übelste Witze (über die er vor allem selber lacht) und ist generell nicht mehr zu Bremsen. Ein Gespräch ist schon länger nicht mehr möglich, alles ist nur noch ein einziger Monolog. Als ich ein paar Stunden später aufstehe um Druck von der Blase zu lassen, rechne ich schon fast damit, dass er immer noch allein durch die Wohnung rennt und seine Stories ablässt, aber irgendwann hat er wohl doch aufgegeben. Unfassbar, der Typ.
Auch wenn das jetzt nicht gerade die Traumshows waren, so waren die letzten beiden Tage doch ziemlich unterhaltsam. Ich werde es fast vermissen, dass ich nicht mehr jedes Mal wenn ich an einem der Typen vorbeigehe, mit "Hey man, what's up?" angesprochen werde.
Stefan

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Weinheim - Café Central, 23.7.2008 (Merauder Tour Support / Summersmash Tour)
Heute ist die erste der beiden Ersatz-Shows, bei denen wir als Toursupport der New Yorker Hardcore-Legende Merauder einspringen. Wir sind schon mal sehr gespannt, wie das so wird.
Merauder erweisen sich schnell als sehr unkompliziert und umgänglich. Die Band hat keine Roadies, erledigt alles selber und verhält sich durchgehend nicht als Headliner, sondern einfach als eine andere Band auf der Tour. Wir einigen uns sehr schnell auf eine gemeinsame Backline, helfen uns gegenseitig mit Kabeln aus, usw. Sehr angenehm.
Härter wird es allerdings mit dem Publikum. Allerdings nicht nur für uns, sondern für alle 3 Bands. Sowohl Pete Mosh wie auch wir werden vom Publikum kräftigst missachtet. Als wir anfangen, sind gerade mal um die 10 Leute in der Halle und von denen gehen während unserer Show auch noch die meisten raus zu den (dort recht reichlich vertretenen) anderen Anwesenden. Völlig hart, aber immerhin verkaufen wir eine CD an einen der Verbliebenen. So gesehen kein schlechter Schnitt.
Als Merauder dann mit Master Killer einsteigen, hat man sich zwar hereinbequemt, Stimmung will aber nicht aufkommen. Klar, man konnte ja auch bei den Vorbands nicht gelangweilt rumstehen, dann muss man das beim Headliner nachholen.
Kommentar von George, dem Merauder-Sänger nach dem Auftritt: "Hey man, what the fuck is wrong with these kids here?"
Tja, wir können es auch nicht sagen, so was haben wir auch noch nicht erlebt. Aber es lässt ja schon mal einiges für den nächsten Abend in Magdeburg hoffen.
Da wir noch nach Darmstadt ins Hotel müssen und die Laune eh nicht gerade übersprudelnd ist, fällt die Party heute eher bescheiden aus.
Stefan

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Regensburg - Boiler Room, 22.7.2008 (Summersmash Tour)
Der Boiler Room in Regensburg ist ein kleiner aber feiner Club mit einem Nachteil – er liegt ganz heimelig mitten in einem Industriegebiet. Das macht es bei Veranstaltungen schwieriger, weil man kein Laufpublikum erwarten kann. Das soll sich auch am heutigen Abend zeigen. Aber eins nach dem anderen.
Von der Organisation her gibt es heute angenehmerweise überhaupt nichts zu meckern. Kay, der die Show aufgestellt hat und heute auch mit seiner Band spielt, hat das alles wirklich gut ans Laufen gebracht. Vom Kaffee bis zum warmen Essen mangelt es an nichts. Auch die Anlage ist ganz in Bastis Sinn und so stellt er trotz den kleinen Raumes, der obendrein auch noch eine eigenwillig geformte Bühne hat, bei der der Sänger auf einer Spitze vor den PA-Boxen steht, eine derbe fetten Sound auf.
Bleibt noch einige Zeit bis zum Auftritt, dir wir im Innenhof des Clubs verbringen, der zu einer Strandbar umgebaut ist (allerdings halt ohne Strand, aber dafür mit einem kleinen Fischbecken). Trotz des einsetzenden Regens lassen wir uns die Beach Party nicht versauen und paffen mit der Shisha gegen das Wetter an, während drinnen schon die ersten Bands loslegen.
Wie schon erwähnt ist der Boiler Room nicht gerade zum Brechen gefüllt. Zwar ist der Laden nicht groß und damit auch so schon halbwegs gefüllt, aber tragen kann sich die Veranstaltung so leider nicht.
Gut, daran ist nun auch nichts mehr zu ändern, Zeit für Rock! Den die auch wenn die Menge eher klein ist, so will sie doch die Hüften schwingen und den Wunsch werden wir ihnen nicht verweigern. Es ist eng, es ist heiß und genau so soll es sein. Wir stacheln die Leute an und die Leute wiederum uns und so pusht man sich weiter die letzten Schweißtropfen aus dem Körper. Sehr geil!
Nach dem Auftritt ist es noch ein klein wenig unentspannt, da die Regeln des Clubs zum Thema Fremdalkohol nicht gerade mit unseren bandinternen Gin-Tonic-Regeln kompatibel sind, aber auch das bleibt im Rahmen.
Auch für (Erst-)Veranstalter Kay wird läuft das alles nicht so wie es soll, denn dafür waren es zu wenig Leute. Aber nicht unterkriegen lassen, beim nächsten Mal werden die Karten wieder neu gemischt!
Stefan

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Bottrop - Trappe, 19.7.2008 (Summersmash Tour)
Als Einleitung zu unserem kleinen Tourbericht muss ich erstmal eine Danksagung loswerden. Touren sind für Bands in unserer Größe nicht einfach. Die meisten Leute geben einfach lieber 80 € für Iron Maiden aus als 8 € für ein Undergroundkonzert. Sowas geht meist überhaupt nur am Wochenende, während Shows unter der Woche kaum durchführbar sind.
Von dem her waren wir erst mal ein wenig skeptisch, aber auch angenehm überrascht, als wir vor ein paar Monaten von einem Booker angesprochen wurden, der uns eine einwöchige Headlinertour vorgeschlagen hat. Kleine Clubs in mittleren Städten, 3 Bands plus Local Supports und eine ziemlich vernünftige finanzielle Planung. Das klang alles ziemlich gut und außerdem wollte er mit seiner Band auch mitspielen. Also haben wir natürlich zugesagt. Unter anderem auch deswegen, weil wir die Kohle im Moment wirklich brauchen können.
Zunächst sah auch alles ganz gut aus. Aber je näher der Termin gerückt ist, desto spärlicher wurden die Infos und wir mussten immer öfter nachfragen. Dann stellte sich heraus, dass eine der Shows nicht stattfinden kann. OK, versuchen wir also, Ersatz zu bekommen. Nachdem besagter Booker nichts aufstellen konnte, ist unser Booking eingesprungen und hat eine Ersatzshow aufgestellt. Das ging natürlich nicht mehr zu den Konditionen, die ursprünglich geplant waren, aber besser so als ein day off, der nur Geld kostet. Dann ist die nächste Show ausgefallen und auch hier hat unser Booking auf die Schnelle Ersatz aufstellen müssen. Und so ging es scheibchenweise weiter, bis von der ursprünglichen Tour quasi kaum mehr was übrig war und dieses bisschen mussten wir neu verhandeln. Der Kasper ist mit seiner Band abgesprungen und hat die Termine teilweise für andere Sachen verwendet. Und wir standen mit einer Tour voller Ersatzshows da, von denen quasi keine das war, was ursprünglich geplant war. Wäre das auf einen Schlag passiert, hätten wir das ganze abgeblasen, weil damit zu befürchten stand, dass wir mit der Sache nicht nur kein Geld verdienen, sondern im schlimmsten Fall auch noch drauf zahlen. Aber so waren natürlich nach und nach neue Shows vereinbart, die Clubs haben schon Werbung gemacht und so weiter. Das konnten wir natürlich nicht mehr absagen. Letztlich war es auch nicht so schlimm wie befürchtet, aber wir und alle anderen Beteiligten hatten jede Menge Stress, Ärger und letztlich auch sinnlose Ausgaben.
Dafür gibt es ein ganz dickes FUCK YOU an den Versager, der das ganze angestoßen hat. Namen nennen wir nicht, die Betreffenden wissen schon Bescheid!
Danke hingegen an unser Booking und alle anderen, die es letztlich doch noch ermöglicht haben, dass wir die Shows spielen konnten und dass es kein völliges Desaster geworden ist!
Kommen wir nun aber zur Bottropshow. Als wir nach einer langwierigen und langweiligen Fahrt am Club ankommen, erfahren wir, dass beide lokalen Supports abgesagt haben. Bei einer Band ist der Sänger krank, die andere hat sich am Vortag aufgelöst. Na prima. Damit fehlen natürlich auch die Leute, die die beiden Bands mitbringen sollen, der Eintritt muss bei nun 2 statt 4 Bands runtergesetzt werden und damit auch die Gage (die dadurch und die aktuellen Spritpreise unter unseren Unkosten liegt). Das macht Laune. Die wird auch vom Soundcheck nicht besser. Ein Raum mit lauter glatten und leeren Wänden, eine überforderte Anlage, alles pfeift und zerrt (und das obwohl Basti nun wirklich ein hervorragender Mischer ist und u.a. ein eigenes Mischpult dabei hat, weil das im Club Schrott ist). Letztlich lassen wir es gut sein, holen uns noch ein warmes Bier aus dem Backstage und warten auf die weitere Entwicklung des Abends. Aber wie immer, wenn man sich gar nichts erwartet, wird der Abend dann doch ziemlich geil. Was vor allem an einem kleinen aber feinen Grüppchen der "Stammposter" aus dem RH-Forum liegt, die trotz fehlender Bands erschienen sind und vor der Bühne Spaß haben, während wir den auf der Bühne haben. Und nicht zu knapp. Der Sound klappt halbwegs, der Alkohol fließt und wir prügeln uns durch unseren Set. So soll es sein! Wenn die Orga schon nicht klappt, muss wenigstens der Auftritt geil werden.
Danach geben wir uns noch längere Zeit dem Alkohol hin, schließlich können wir direkt über dem Club in der Musikerwohnung pennen. Wobei Pennen sich da auch schwierig gestaltet, da unten im Club noch eine richtig fiese Techno-Schlager-Party steigt mit dem besten, was Bottrop so zu bieten hat. Als wir morgens um halb 8 durch den Club nach draussen stiefeln, wundern sich die Anwesenden wahrscheinlich nicht mehr über uns als wir über sie. Ei ei ei. Dann geht es schon wieder auf die Straße, denn Sitti muss an diesem Sonntag arbeiten und wir haben ja doch lockere 600 Kilometer vor uns. Und die machen genauso viel Spaß wie bei der Anreise am Vortag.
Stefan

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Nürnberg - Hirsch, 5.5.2008 (Emils Bulls - The Black Path Tour)
So, einen Tag zum Erholen gehabt, dann geht es noch mal ran. Nach Nürnberg ist es erfreulicherweise ja nur ein Katzensprung. Der Hirsch ist an sich ziemlich groß, allerdings nur vor der Bühne. Backastage ist alles ziemlich beengt und das Bild des Abends sind Menschen, die sich an Equipment oder an anderen vorbei schieben, über Sachen steigen und ähnliches.
Ansonsten ist es aber wieder sehr angenehm, eine professionelle Umgebung zu haben. Angefangen von der Anlage bis zum Catering, das nach dem Fiasko von Amberg heute aus Schweinsbraten, Knödel und Kraut besteht. Da lacht das Herz aller Bands, die ja heute komplett aus München sind. Auch sonst läuft heute alles wieder sehr viel geregelter als bei der letzten Show. Um nicht zu sagen, unspektakulär. Der Laden ist zwar für seine Größe nur zufriedenstellend gefüllt, aber ansonsten läuft alles wie es sollte. Sowohl Grantig als Opener wie auch wir danach und die Bulls zum Schluss liefern ordentliche Shows ab, was vom Publikum auch entsprechend honoriert wird. Der Sound ist vor wie auf der Bühne gut, alles läuft wie es soll. Ein sehr angenehmer Tourabschluss (für uns). Viel Party ist dann allerdings nicht mehr, da ja am nächsten Tag wieder die Arbeit auf uns wartet.
Alles in allem war das eine sehr schöne Woche mit sehr viel Spaß. Danke an die Bulls, hoffentlich wiederholen wir das mal!
Stefan

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Amberg - Klärwerk, 3.5.2008 (Emils Bulls - The Black Path Tour)
Es gibt Tage auf Tour, da soll es einfach nicht sein und heute ist einer davon. An sich ist ja alles gut, das Wetter ist schön, alle sind rechtzeitig da, man chillt sich auf den Abend ein. Der erste Dämpfer kommt dann allerdings mit dem Essen. Verkochte Nudeln mit ungewürzter Tomatensauce sind nicht undbedingt das, was einen bei Kräften und bei Laune hält. Man lässt die Nudeln also im Topf und schickt ein Außenteam zum Burger King. Auch nicht gerade der Vitaminschub, aber wenigstens was für die Seele.
Für uns geht es munter weiter, denn heute ist die einzige Show, die wir eröffnen. Zwischen den Bulls und uns spielt heute Claus Grabke, der ehemalige Sänger von Thumb. Dessen schrullige Classicrock-Show finde ich persönlich zwar eigentlich ganz geil. Allerdings ist das stilistisch an diesem Abend völlig deplatziert, weswegen ein Anheizeffekt für die Bulls dann ziemlich ausfällt (was diese wiederum auch nicht besonders freut). Für uns ist die Opener Position vor allem deswegen ärgerlich, weil auf den Plakaten die falsche Uhrzeit steht und wir deswegen schon vor dem "offiziellen" Beginn auf die Bühne gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Konzert somit auch noch spärlicher besucht als eh schon, was in dem für ein Jugendheim ziemlich großen Saal dann auch deutlich auffällt. Wäre ja auch nicht so schlimm, wenn die Anwesenden das durch Stimmung ausgleichen würden. Aber das Publikum ist obendrein auch noch eher fad. Zwar scheint es den Leuten schon zu gefallen, was wir da machen (zumindest bekommen wir Applaus und nachher auch recht positives Feedback), aber trotz aller Bemühungen unsererseits man hält reichlich Abstand zur Bühne und verzichtet auch auf jede unnötige Bewegung. Nach den letzten Shows fällt es damit natürlich nicht ganz leicht, sich selber zu motivieren. Aber man kann ja auch mit sich selber Spaß haben.
Und wir haben immerhin kein Pannenfest wie die Bulls später dann. Bei denen geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Von Stromausfällen auf und vor der Bühne über gerissene Saiten und Gurte bis hin zu einem Komplettausfall von Christs InEar-Monitor bekommen die Jungs das ganze Programm ab und die Laune auf der Bühne fällt merklich. Zwar ist im Publikum wenigstens beim Headliner ein wenig Stimmung aber der Auftritt stellt alles in allem trotzdem den Tiefpunkt der Tour dar.
Schwamm drüber, beim nächsten Mal ist wieder alles anders. Heute geht es nach der Show heim zu unseren Holden und das ist auch mal nicht verkehrt.
Stefan

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Ulm - Roxy, 2.5.2008 (Emils Bulls - The Black Path Tour)
Aufgrund des guten Vorverkaufs ist die Show im Roxy von der kleinen Bühne in die große Halle verlegt. Das macht Eindruck, vor allem in Kombination mit dem ganzen Drumherum. Der Club ist super ausgestattet und die Crew hochprofessionell. Statt Backstageraum gibt es einen ganzen Backstagebereich mit großzügigen Räumen und Sanitärbereich, getrennte Garderoben und Cateringraum usw. Die Halle ist mit einer dicken Anlage ausgestattet, alles ist ordentlich markiert und ausgeschildert - so lässt es sich arbeiten.
Für uns gibt es allerdings eher wenig zu tun, da wir als zweite Band eh nur einen Linecheck machen. Also können wir den Nachmittag draußen in der Sonne verbringen.
Die Bedenken der Bulls, dass die Halle vielleicht doch ein wenig groß sein könnte und nicht genug Leute da sein werden, lösen sich ziemlich schnell in Luft auf. Schon als Grantig den Abend eröffnen, strömen reichlich Leute durch die Türen und lassen sich anwärmen.
Wir setzen den "Münchner Abend" dann fröhlich fort. An Karlsruhe kommt das ganze zwar nicht so ganz ran - wir mögen es eben lieber eng und kuschlig als groß und breit - aber hin und wieder hat eine fette Bühne schon auch was. Vor allem, wenn der Sound passt und das tut er hier. Wir können also auch diese Show als Erfolg verbuchen.
Da ich hier in Ulm Verwandte und Freunde hab, die auch erschienen sind um zu schauen, was der Stefan so für Krach fabriziert, bin ich nach dem Auftritt erst mal angenehm eingebunden. Das hat allerdings ein jähes Ende, als die Bulls ihren Auftritt beenden und wir unter dem Ansturm am Merchstand, den wir uns ja teilen, nicht zusammenzubrechen.
Danach wird noch Sound aufgelegt und abgetanzt. Da der Sound allerdings eher mäßig ist, vor allem von anderen Leuten. Aber wir können auch hier unseren Spaß haben. Einige wieder mal mehr als andere, was dann zu ein paar Verwirrungen in der Pension führt, die wir gegen 4 Uhr ansteuern. Irgendwie ist die Zimmeraufteilung nicht mehr so ganz klar und so belegen wir mehr Räume als eigentlich ausgemacht (auch dadurch noch verstärkt, dass manche nicht näher genannte Personen nicht mehr in ihr Bett zurückfinden nachdem sie Wasser gelassen haben und sich einfach in irgend ein anderes freies Bett legen). Die Herbergsmutti findet das am nächsten Morgen auch nicht ganz so lustig aber wir können uns dann doch noch auf eine Kompromissrechnung einigen. So schlimm sind wir ja auch wieder nicht. Also zumindest nicht alle.
Stefan

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Karlsruhe - Substage, 1.5.2008 (Emils Bulls - The Black Path Tour)
Nach einem recht ausführlichen Frühstück und den vergeblichen Versuchen, diverse verlorene Gegenstände wieder aufzutreiben, geht es weiter nach Karlsruhe. Die Strecken auf dieser Tour sind ja überwiegend angenehm kurz, so dass man nicht allzu viel Zeit im Bus verbringen muss. In der Kategorie "kultige Clubs" hat das Substage wohl einen Platz sicher. Der Club befindet sich mitten in der Stadt im Sperrengeschoß einer stillgelegten U-Bahn-Station. Das hat auf alle Fälle Flair und es gibt obendrein keine Anwohner, die sich von der Musik gestört fühlen können. Dank einer Zufahrt für Wartungsfahrzeuge bleibt das alles auch treppenfrei.
Alle sind früh genug da und so gestaltet sich der Ablauf ziemlich entspannt. Zwischen Aufbau, Soundcheck und Auftritt bleibt viel Zeit für Catering, Surfen im Internet oder einfach nur die Sonne im Park über dem Substage zu genießen. Obendrein werden heute noch die Roten von Petersburg aus dem UEFA-Cup geworfen, was die Löwenfans von Silent Decay natürlich besonders freut. Weniger natürlich den Moik von den Bulls, der unverständlicherweise Anhänger dieser Kaspertruppe ist und heute mit uns mal so richtig Spaß hat.
Das alles ist aber heute nur die Ruhe vor dem Sturm. Die Bulls haben in Karlsruhe einige Fans und die erscheinen zahlreich und motiviert, wovon schon die Vorbands profitieren. Als wir auf die Bühne gehen, haben wir keine Probleme damit, die Leute zum Hüftschwingen anzuregen. Daran können dann auch die Mordversuche von Sitti an den anderen Bandmitgliedern (mittels dreist geschwungenem Mikroständer) nichts ändern. Ursprünglich hatten wir auch ein wenig Bedenken, dass es hier im Kellergeschoss zu kühl sein könnte. Ha, wie albern! Solider Schweiß bildet sich auf Musikern und Publikum und alles wird gut. Nur eben wieder mal ein zu kurz, aber da muss man den Spaß eben komprimiert inhalieren. Bei den Bulls rastet die Meute dann völlig aus. Die Shows laufen zwar die ganze Tour über ziemlich gut, aber Karlsruhe sticht klar über den Rest raus. Hier lassen die Leute wirklich die Kuh fliegen.
Statt ausgiebigem Feiern wird der Abend heute mit Abhängen, Alkohol und niederstem Humor im Backstageraum beschlossen, bis sich die komplette Meute schließlich in ihre Hotels zurückzieht.
Stefan

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Sonthofen - Barfly, 30.4.2008 (Emils Bulls - The Black Path Tour)
2 Tage sind vergangen, jetzt geht die Tour richtig los. Gegen Mittag sind wir unterwegs ins Allgäu. Diesmal mit Navi, was wohl bedeutet, dass wir nicht (wie sonst immer) stundenlang durch Sonthofen gurken und das Barfly suchen.
Heute ist alles etwas entspannter, da nur die Bulls und wir spielen. Wir können also in Ruhe unsere Sachen aufbauen und auch noch Soundcheck machen, was alles immer einfacher macht. Wobei bei der Tour in der Hinsicht eh alles ziemlich easy ist, da uns Basti Wedekind mal wieder als Mischer begleitet und der Mann einfach weiß, wie er mit Pulten umgehen muss.
Es bleibt also noch Zeit, zum Hotel zu gehen und dort Essen zu fassen. Wir können von der Karte wählen und haben damit die Gelegenheit für vernünftiges Essen, die wir selbstverständlich auch nutzen.
An den Auftritt haben wir schon ein paar Erwartungen, da wir ja schon einige Mal im Barfly waren. Die werden dann auch ausnahmslos erfüllt. Es sind reichlich Leute da und wir können das Volk ordentlich anheizen. Zwar gibt es einen kleinen Rüffler, weil wir unsere Spielzeit etwas überziehen, aber ansonsten können die Bulls über unsere Vorarbeit wohl nicht klagen. Die Leute sind jedenfalls gut in Stimmung als wir die Bühne verlassen. Weniger zufrieden können sie heute Abend allerdings mit dem Merch sein, denn ihr Stand ist reichlich ungünstig im hintersten Eck platziert, so dass er von den meisten einfach übersehen wird. Wovon wir dann allerdings wieder profitieren, denn unserer ist gut sichtbar und so verkaufen wir ziemlich reichlich. Allerdings haben die Bulls heute noch mal eine Lieferung an Merch bekommen, so dass wir noch ein paar Kartons zusätzlich laden müssen. Tetris auf der nächsten Stufe sozusagen. An sich ja kein Thema, aber nachdem Flo und ich im Regen den Bus 2x komplett aus- und wieder eingeladen haben, ist meine Stimmung doch nicht mehr ganz so entspannt. Aber drinnen tobt die Party und so ist das alles schnell vergessen.
Für einige tobt die Party heute auch noch ein wenig länger und so treiben sich Teile der beiden Bands noch in den (sehr) frühen Morgenstunden irgendwo in Sonthofen rum, verlieren dabei ihren Rucksack mit allem wichtigen drin und wachen dann in fremden Zimmern in dem Hotel auf, in dem der Rest schon selig schlummert. Eindrucksvoll. Aber nachdem die Sachen nach ein paar Tagen rumtelefonieren (inklusive Handyortung von O2) dann doch wieder auftauchen und Daniel vom Barfly das alles sicherstellen und zuschicken kann, wird der Lerneffekt wohl auch diesmal wieder ausbleiben. War jedenfalls ein ziemlich spaßiger Abend.
Stefan

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Frankfurt - Nachtleben, 27.4.2008 (Emils Bulls - The Black Path Tour)
Einzelshows sind zwar ganz nett, aber eine Tour zu spielen ist doch gleich was ganz anderes. Von dem her sind wir natürlich richtig heiß auf diese Woche, auf der wir die Emil Bulls auf einem Stück ihrer Black Path Tour begleiten. Aus Kostengründen diesmal nicht im Nightliner, sondern mit den eigenen Minibussen, was die Sache etwas weniger komfortabel macht. Dafür sind die Übernachtungen zum Ausgleich in Hotels und Pensionen, also auch nicht völlig verkehrt.
Die erste Show hat aber trotzdem ein wenig Einzelshowcharakter, da direkt danach wieder 2 days off sind, bei denen wir heimfahren und wieder in die Arbeit gehen. Das ist zwar hektisch, aber Urlaubstage wachsen ja auch nicht so auf den Bäumen. Nach dem Eintreffen in Frankfurt gibt es erst mal ein wenig Hallo und Grüß Gott. Wir kennen die Bulls ja schon eine halbe Ewigkeit, da muss man sich nicht erst groß beschnuppern.
Das Nachtleben ist nicht besonders groß und bei unserer Ankunft schon ziemlich mit Equipment zugestellt. Neben den Bulls und uns sind heute auch noch Leaf Fat aus Tschechien dabei und so wird es richtig gemütlich. Also frisch angepackt und unseren Krempel auch noch dazu gestellt. Wenigstens teilen wir uns die Boxen, sonst wäre es völlig bodenlos. Schlussendlich wird eine komplette Seitenwand des Clubs mit Cases zugebaut, denn der winzige Backstageraum platzt auch so schon aus allen Nähten.
Während die Bulls mit ihrem Soundcheck schon mal die Wände wackeln lassen, sehen wir uns nach essbarem um. Wir waren ja letztens schon mal hier und können zielgerecht Dönerstand und das goldene M ansteuern, womit man sich auch gleich mal auf die Tourernährung einstellen kann. Wenigstens kann man draußen essen, denn das Wetter ist (wie eigentlich die ganze Tour über) ziemlich einwandfrei.
Da es alte Bekannte zu treffen gibt, bekomme ich von den Auftritten der anderen Bands nichts mit. Ganz davon abgesehen ist es auf der Terrasse vor dem Nachtleben auch deutlich angenehmer, denn drinnen tropft schon ziemlich früh der Schweiß von der Decke. Was Sitti während unseres Auftritts dazu veranlasst, ein Abschalten der Scheinwerfer zu fordern, die uns von der Bühne grillen. Ob ein Auftritt im Halbdunkel jetzt so das Wahre ist, lass ich mal offen. Aber kühler ist er jedenfalls. Ansonsten gibt es wenig zu meckern. Im Gegensatz zu unseren bisherigen Shows in Frankfurt sind ordentlich Leute da und die haben obendrein auch Bock, auch wenn wir noch nicht ganz eingespielt sind und deswegen eine stellenweise etwas holprige Show abliefern. Aber Rock ist schließlich keine Perfektion, ein paar kleine Fehler gehen schon in Ordnung. Da der Zeitplan (wie auf der ganzen Tour) sehr straff ist, müssen wir ja eh auch nur eine halbe Stunde "durchhalten".
Dank unserer guten Seele Flo "Hightower" Köpferl, der uns tatkräftig unterstützt, schaffen wir auch beide Umbauten in kürzester Zeit und können uns zufrieden ein oder mehrere Biere aufmachen.
Das einzige, was am heutigen Abend überhaupt nicht klappt, ist der Abfahrtplan. Eigentlich wollten wir ziemlich schnell nach der Show abhauen, da einige von uns (auch ich) am nächsten Morgen wieder im Büro sitzen müssen. Aber alles verzögert sich durch Feiern und dadurch, dass wir einen Teil der Merchandise-Kartons der Bulls mitnehmen müssen, was uns vor eine logistische Herausforderung stellt. Nicht zum letzten Mal verbringen Flo und ich längere Zeit mit Tetris am Bus, bis wir alles verstaut haben und auch sicher sein können, dass wir beim Bremsen nicht erschlagen werden. So wird es dann 2 Uhr, bis wir endlich in Frankfurt loskommen und als ich dann um kurz vor 7 die Haustüre aufsperre, rentiert sich der Weg ins Bett auch nicht mehr. Also ab in die Dusche und ins Büro, wird sicher ein ergiebiger Tag.
Stefan

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HU-Budapest - A-38, 1.2.2008
Und wieder Budapest. Das letzte Mal waren wir hier im A-38 mit Pro-Pain und durften für 6 Bands eröffnen. Nun sind gerade mal 2 1/2 Jahre vergangen und wir sind Headliner eines kleinen Festivals. Irgendwie schräg.
Nach einer langen und größtenteils langweiligen Fahrt mit ein wenig Sucherei zum Schluss (wir haben diesmal kein Navi dabei) kommen wir zum A-38, einem zum Club umgebauten Schiff auf der Donau. Wie wir schon befürchtet hatten, sind die wenigen Parkbuchten an der Straße alle belegt. Also müssen wir zum Ausladen in zweiter Reihe parken, was hier kein Spaß ist. Die breit ausgebaute Straße macht an der Stelle eine Kurve und die Autos schießen ziemlich flott an uns vorbei. Dementsprechend hektisch verläuft die Ausladeaktion und so kommt es zum Malheur. Wir vergessen in der Eile die Boxen, die wir nicht brauchen, nebeneinander zu stellen statt aufeinander stehen zu lassen. Was dazu führt, dass selbige umkippen, als ich den Bus wegfahren und eine meine Bassboxen die rechte Heckscheibe zerdeppert. Großartig. Aber was hilft es schon, da ist jetzt auch nichts mehr dran zu ändern. Sitti und ich verschließen die Öffnung so gut es geht mit Karton und Gaffatape, aber aufgrund der Witterung und der Tatsache, dass wir da unser ganzes Equipment 2 Nächte lang drin haben werden, bleibt ein mulmiges Gefühl. Das wird auch nicht davon besser, dass alle Autos hier auf dem Parkplatz mechanische Wegfahrsperren an die Lenkräder geklemmt haben.
Im Club ist es bereits ordentlich voll und unsere Kumpels von Insane, die den Gig angeleiert haben, sind gerade fertig. Schade, hätte ich gerne gesehen. Stattdessen umziehen, Essen, Trinken. Bis zum Auftritt dauert es noch etwas, wir haben also genug Zeit zur Vorbereitung.
Theoretisch sind wir der Headliner, realistisch gesehen sind die Leute aber vor allem wegen der Band vor uns da, die einige Fans in der Halle hat. Wir sind gespannt, wie viele davon bei uns noch da sein werden, da es inzwischen doch recht spät ist. Insane helfen beim Umbau und auch der Mischer ist ziemlich fit, so dass wir eine Viertelstunde nach der letzten Band unser Intro laufen lassen können. Noch mal kurz durchatmen und dann los. Unsere Bedenken erweisen sich als unberechtigt. Es sind zwar ein paar Leute weniger als bei der Band davor, der Raum ist aber noch immer ziemlich gut gefüllt und die Leute haben auch durchaus Bock auf uns. Christoph ist nicht so richtig fit, die Bühne ist uns auch eine Spur zu groß und der Sound auf der Bühne ist auch nicht unproblematisch (natürlich spricht der Bühnenmischer kein Englisch), aber das alles kann uns nicht weiter stören - jetzt ist showtime. Nils filmt den Auftritt und macht ein ziemlich geiles Video daraus, das ein paar Eindrücke vom Auftritt wiedergibt.
Danach leert sich der Club ziemlich schnell. Wir pfeiffen uns noch ein paar Bier und die Reste der Pizza rein, dann bringt uns Bertalan von Insane zu unserer Pension. Eine ältere Dame führt uns auf unser Zimmer. In diesem befinden sich nicht nur 7 Betten, sondern auch eine professionelle Beleuchtungsanlage an der Decke. Was hier wohl sonst so gemacht wird? Soll uns jetzt egal sein, denn die Betten sind sauber und bequem und das ist gerade alles, was uns interessiert.
Stefan

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München - Backstage, 15.1.2008 (Prong Tour Support)
Die Anfrage kommt sehr kurzfristig. Eigentlich sind Prong ja mit den Engländern October File auf Tour, aber nachdem deren Bassist mit einem akuten Tinnitus direkt vor der Tour die Shows absagen mussten, musste der Slot für die Vorband schnellstens neu besetzt werden. Da sagen wir natürlich nicht nein. Prong waren zwar etliche Jahre weg vom Fenster, haben aber andererseits mit Power Of The Damager eins der stärksten Alben des letzten Jahres veröffentlicht. Trotzdem waren wir gespannt, wie viele und was für Leute zu dem Konzert kommen würden.
Richtig voll ist es nicht, als wir auf die Bühne gehen. Es sind auch eher die älteren Jahrgänge vertreten und die halten erst mal einen gehörigen Sicherheitsabstand zur Bühne. Das das hier keine leichte Aufgabe wird, ist uns von vornherein klar. Aber da hilft einfach nichts, außer das Gaspedal wie üblich durchzutreten und sich nicht irritieren zu lassen. Sitti versucht dazu zwischen den Songs alles, um die Leute nach vorne zu holen, was zumindest teilweise klappt. Ganz an die Bühne kommt das Publikum zwar nicht, aber ab der Hälfte der Show hat man zumindest nicht mehr den Eindruck, über einen Wassergraben hinweg zu spielen. Zwar bleiben die Leute bis zum Schluss eher bewegungslos, aber der Applaus steigert sich von Song zu Song. Opener ist eben ein hartes Los, aber schlussendlich können wir mir dem Ergebnis schon zufrieden sein.
Natürlich steigern sich die Aktivitäten des Publikums erheblich, als Tommy Victor und Gefolge die Bühne betreten. Der Mann hat aber auch nichts verlernt und vor allem mit dem Drummer einen absolut würdigen Sparringspartner auf der Bühne. Sehr fetter Auftritt, den wir uns vom Merchstand aus geben. Respekt!
Stefan

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